Auf der Therapro wurde am Stand von Physiomed ein Gerät vorgestellt, das gezielt für die logopädische Therapie konzipiert ist und mehrere bislang getrennte Behandlungsfelder in einem System zusammenführt. Der vocaSTIM-Master richtet sich vor allem an Therapeuten, die im neurologischen Bereich arbeiten und regelmäßig Patienten mit Schluck-, Stimm- oder Gesichtsnervenstörungen behandeln. Im Mittelpunkt steht dabei der Einsatz von gezielter Elektrotherapie, um logopädische Maßnahmen wirkungsvoll zu unterstützen und strukturierter in den Therapiealltag zu integrieren.
Physiomed positioniert das System klar als Arbeitsinstrument für die klassische Logopädie. Der Ansatz folgt nicht dem Gedanken einer isolierten Apparatebehandlung, sondern versteht den Strom als ergänzendes Mittel innerhalb einer therapeutisch geführten Sitzung. Die Anwendung bleibt dabei jederzeit in der Hand des Therapeuten und wird eng mit aktiven Übungen kombiniert.
Ein zentrales Einsatzgebiet des vocaSTIM-Master liegt in der Behandlung neurologisch bedingter Schluckstörungen. Dysphagien stellen in der Praxis häufig eine große Herausforderung dar, da sie sowohl funktionelle als auch sensible Strukturen betreffen. Durch die gezielte elektrische Stimulation bestimmter Muskelgruppen kann die Wahrnehmung verbessert und die Aktivität angeregt werden, ohne den Patienten zu überfordern. Auch bei Stimmlippenlähmungen, insbesondere bei einer Recurrensparese, kommt das Gerät zum Einsatz. In diesen Fällen wird mit exakt positionierten Elektroden gearbeitet, um die betroffene Seite gezielt zu stimulieren. Die Stromführung erfolgt dabei kontrolliert zwischen Referenz- und Arbeitselektrode, sodass der Impuls präzise dort ankommt, wo er therapeutisch benötigt wird. Die Anwendung erfordert Erfahrung, bleibt aber nachvollziehbar aufgebaut und folgt klaren Protokollen.
Der vocaSTIM-Master ist so ausgelegt, dass er sich nahtlos in klassische logopädische Behandlungskonzepte integrieren lässt. Der Strom ersetzt keine Übung, sondern begleitet sie. Während der elektrischen Stimulation können stimmvorbereitende Maßnahmen durchgeführt werden, etwa Atem- oder Stimmübungen, die den Effekt der Behandlung unterstützen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Wahrnehmung des Patienten. Die Intensität wird so gesteuert, dass ein deutliches, aber nicht schmerzhaftes Kribbeln entsteht. Diese sensible Rückmeldung dient dem Therapeuten als Orientierung und erhöht gleichzeitig die aktive Mitarbeit des Patienten. Physiomed legt dabei Wert auf Frequenzbereiche, die gut toleriert werden und im Alltag praktikabel sind.
Vor jeder Behandlung steht die sorgfältige Abklärung möglicher Kontraindikationen. Dazu zählen unter anderem Tumorerkrankungen, implantierte Herzschrittmacher oder andere aktive Stimulatoren sowie akute entzündliche Prozesse. Der vocaSTIM-Master zwingt den Anwender nicht zur schnellen Anwendung, sondern führt schrittweise durch die Vorbereitung der Therapie. Besonders relevant ist das integrierte Aufwärmprogramm. Bevor eine gezielte Stimulation etwa im Bereich der Stimmlippen erfolgt, wird das Gewebe vorbereitet. Dies geschieht in einer biphasischen Anwendung, um Gewebeschäden zu vermeiden und die Behandlung sicher zu gestalten. Erst nach dieser Phase beginnt die eigentliche therapeutische Stimulation. Zur besseren Übersicht lassen sich typische Rahmenbedingungen der Anwendung wie folgt zusammenfassen:
Physiomed hat im vocaSTIM-Master vorgefertigte Indikationen hinterlegt, die den Therapiealltag deutlich erleichtern. Für häufige Störungsbilder wie Recurrensparesen, Facialisparesen oder Schluckstörungen können spezifische Programme ausgewählt werden, ohne jede Sitzung neu konfigurieren zu müssen. Dennoch bleibt ausreichend Spielraum für individuelle Anpassungen. Diese Struktur sorgt dafür, dass auch in stressigen Praxisabläufen konsistent gearbeitet werden kann. Gleichzeitig reduziert sie die Fehleranfälligkeit, da bewährte Parameter bereits hinterlegt sind. Der Therapeut entscheidet weiterhin über Intensität und Ablauf, erhält aber eine verlässliche technische Grundlage.
Ein wesentlicher Vorteil des Systems liegt in der Möglichkeit, die Elektrotherapie mit aktiven logopädischen Techniken zu kombinieren. Während der Stimulation können beispielsweise stimmvorbereitende Übungen durchgeführt oder Methoden wie LAX VOX eingesetzt werden. Dadurch wirkt die Behandlung nicht isoliert von außen, sondern unterstützt Prozesse, die auch von innen angestoßen werden. Darüber hinaus lassen sich vorbereitende Maßnahmen wie Kieferlockerungen oder Entspannungsübungen integrieren. Der vocaSTIM-Master wird so zu einem begleitenden Werkzeug innerhalb eines ganzheitlichen Therapieansatzes, der Stimme, Schlucken und Mimik gleichermaßen berücksichtigt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Systems liegt in der Dokumentation. Jede Therapie kann patientenbezogen gespeichert werden. Über eine Patienten-ID lassen sich Einstellungen und Behandlungsverläufe eindeutig zuordnen. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn mehrere Therapeuten mit einem Patienten arbeiten oder Vertretungen einspringen müssen. Die gespeicherten Daten ermöglichen einen schnellen Überblick über vergangene Sitzungen, ohne dass lange in Akten recherchiert werden muss. Gleichzeitig bleibt die Dokumentation datenschutzkonform und auf das therapeutisch Notwendige beschränkt. Für den Praxisalltag bedeutet das eine spürbare Entlastung und mehr Kontinuität in der Behandlung. Insgesamt zeigt der vocaSTIM-Master von Physiomed auf der Therapro, wie sich unterschiedliche logopädische Behandlungsfelder in einem Gerät bündeln lassen, ohne die therapeutische Arbeit zu vereinfachen oder zu verwässern. Stattdessen entsteht ein strukturiertes, praxisnahes System, das gezielt dort unterstützt, wo Logopäden täglich arbeiten.