Hüftrotatoren gezielt trainieren für stabile Bewegungen im Hüftgelenk

von Bastian Velonavy - 2026-02-09

Auf der Messe wurde ein Gerätekonzept vorgestellt, das in der physiotherapeutischen Praxis bislang kaum systematisch umgesetzt wird: das gezielte Training der Innen- und Aussenrotatoren des Hüftgelenks.

Während Kraftgeräte für Beinpresse, Abduktion oder Adduktion längst zum Standard gehören, bleibt die rotatorische Muskulatur in vielen Trainings- und Therapiekonzepten unterrepräsentiert. Genau hier setzt das neue System an, das nach einer längeren Entwicklungsphase nun erstmals vollständig einsatzbereit präsentiert wurde. Die Idee hinter den Geräten entstand nicht am Reissbrett, sondern aus dem therapeutischen Alltag heraus. In der manuellen Therapie werden rotatorische Bewegungen seit jeher berücksichtigt, meist jedoch in Einzelbehandlungen, mit Seilzügen, Bändern oder rein manuell. Für den strukturierten Einsatz im Gerätebereich fehlte bislang eine praktikable Lösung. Die nun vorgestellten Maschinen schließen diese Lücke und übertragen ein bekanntes therapeutisches Prinzip in ein reproduzierbares Trainingssetting.

Hueftrotatoren gezielt trainieren fuer stabile Bewegungen im Hueftgelenk

Warum Hüftrotatoren im Training eine zentrale Rolle spielen

Die Innen- und Aussenrotatoren übernehmen eine entscheidende Aufgabe bei der Zentrierung des Hüftkopfs in der Gelenkpfanne. Sind sie abgeschwächt oder unkoordiniert, entstehen Fehlbelastungen, die langfristig zu Bewegungseinschränkungen und degenerativen Veränderungen führen können. In der Praxis zeigt sich dies häufig in Form von Instabilitäten, Bewegungsschmerzen oder einer eingeschränkten Belastbarkeit im Alltag. Trotz dieser Bedeutung werden Rotationsbewegungen im Hüftgelenk im klassischen Gerätetraining selten isoliert trainiert. Der Fokus liegt auf grossen Muskelgruppen, während tief liegende, stabilisierende Strukturen kaum gezielt angesprochen werden. Das vorgestellte System rückt genau diese vernachlässigte Muskulatur in den Mittelpunkt und macht sie kontrolliert trainierbar.

Zielgerichtetes Training der Rotationsbewegungen im Hueftgelenk
Trainings und Therapiekonzepte rotatorische Muskulatur

Drei Maschinen für unterschiedliche funktionelle Anforderungen

Das Konzept basiert auf drei unterschiedlichen Geräten, die jeweils einen anderen funktionellen Schwerpunkt abdecken. Die erste Maschine ermöglicht das Training der Innen- und Aussenrotation in einer offenen Bewegungsausführung. Sie eignet sich insbesondere für Patienten ohne ausgeprägte Begleitprobleme im Knie- oder Sprunggelenk und erlaubt eine freie, dynamische Bewegung des Beins. Im therapeutischen Alltag zeigte sich jedoch, dass bestimmte Patientengruppen diese Bewegung nicht stabil ausführen können. Bei Knieinstabilitäten oder eingeschränkter Kontrolle in angrenzenden Gelenken wird die Rotation häufig ungenau oder ausweichend durchgeführt. Aus diesem Grund wurde eine zweite Maschine entwickelt, bei der Knie- und Sprunggelenk fixiert werden. Dadurch lässt sich die gleiche rotatorische Muskulatur gezielt trainieren, ohne dass unerwünschte Ausgleichsbewegungen auftreten. Die dritte Maschine erweitert das Konzept nochmals. Sie erlaubt das Training der Hüftrotatoren aus unterschiedlichen Gelenkstellungen heraus. Da sich die Funktion einzelner Muskelfasern je nach Beugung oder Streckung des Hüftgelenks verändert, können so verschiedene Anteile gezielt angesprochen werden. Dieses Prinzip orientiert sich an bekannten Trainingsansätzen aus anderen Körperregionen, bei denen ein Muskel aus mehreren Winkeln belastet wird.

Trainingsgeraete Innen und Aussenrotatoren

Anpassung an reale Praxisbedingungen

Ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung war die Frage nach Platzbedarf und Wirtschaftlichkeit. Nicht jede Praxis verfügt über grosse Trainingsflächen, auf denen mehrere Spezialgeräte dauerhaft aufgestellt werden können. Vor diesem Hintergrund wurde ein zusätzliches Modul entwickelt, mit dem sich mehrere Bewegungsrichtungen an einer einzigen Maschine abbilden lassen. Durch eine vergleichsweise einfache mechanische Erweiterung können neben Innen- und Aussenrotation auch Flexion, Extension sowie Abduktion und Adduktion trainiert werden. Damit wird aus einem spezialisierten Gerät ein multifunktionales Arbeitsinstrument, das den Platzbedarf reduziert und dennoch ein umfassendes Training des Hüftgelenks ermöglicht.

Gezielt trainieren Innen und Aussenrotatoren im Hueftgelenk
Schupp Physio Fitness Wellness auf der therapro 2026

Therapeutische Einsatzbereiche im Überblick

Die Geräte eignen sich sowohl für den rehabilitativen Einsatz als auch für präventives Training. Typische Anwendungsfelder sind unter anderem:

  • funktionelle Instabilitäten des Hüftgelenks
  • eingeschränkte Innen- oder Aussenrotation
  • Beschwerden im Zusammenhang mit dem Piriformis-Syndrom
  • Vor- und Nachbereitung orthopädischer Eingriffe
  • gezielter Muskelaufbau zur Operationsvermeidung
Gerade beim Piriformis-Syndrom zeigt sich der Nutzen eines differenzierten Rotationstrainings. Der Piriformis wirkt je nach Gelenkstellung als Innen- oder Aussenrotator. Durch das Training aus verschiedenen Winkeln können alle funktionellen Anteile des Muskels angesprochen werden, was mit herkömmlichen Geräten kaum möglich ist.

Von der Idee zum marktreifen Produkt

Die Entwicklung der Geräte erstreckte sich über mehrere Jahre. Erste Prototypen entstanden in Eigenarbeit und wurden kontinuierlich weiterentwickelt. Mit der Zusammenarbeit mit Schupp konnte das Konzept schließlich in eine serienreife Form überführt werden. Die nun vorgestellten Maschinen gelten als ausgereift und sind für den regulären Einsatz in Therapie und Training vorgesehen. Schupp tritt dabei nicht als Ideengeber, sondern als technischer Umsetzer eines therapeutisch motivierten Konzepts auf. Die Zusammenarbeit zielte darauf ab, eine Lösung zu schaffen, die sowohl den fachlichen Anforderungen als auch den praktischen Rahmenbedingungen von Praxen gerecht wird. Entsprechend steht nicht ein einzelnes Trainingsziel im Vordergrund, sondern die funktionelle Versorgung eines Gelenks, das im klinischen Alltag oft zu spät adressiert wird. Mit dem vorgestellten System rückt das Hüftgelenk wieder stärker in den Fokus präventiver und therapeutischer Arbeit. Anstatt erst nach operativen Eingriffen zu reagieren, eröffnet sich die Möglichkeit, strukturelle Defizite frühzeitig gezielt zu trainieren und so langfristig Belastbarkeit und Bewegungsqualität zu erhalten.