Batteriespeicher werden zu digitalen Energieplattformen

von Andreas Bergmeier - 2026-06-25

Batteriespeicher entwickeln sich rasant weiter. Während sie ursprünglich vor allem dazu dienten, überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern, übernehmen sie heute zunehmend Aufgaben im Energiemanagement, der Netzstabilisierung und der Vermarktung von Flexibilität.

Mit der wachsenden Zahl erneuerbarer Energiequellen entstehen neue Geschäftsmodelle, bei denen Speicher nicht mehr nur Energie puffern, sondern aktiv am Strommarkt teilnehmen. Auf der ees Europe in München zeigt sich dieser Wandel besonders deutlich. Dort präsentiert Tesvolt ein Portfolio, das vom kleinen Gewerbespeicher bis zum Großspeicher für Energieversorger reicht. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht allein Hardware und Speicherkapazität, sondern digitale Plattformen, Cybersecurity und intelligente Betriebsstrategien, die zusätzliche Erlöse ermöglichen sollen.

Batteriespeicher Speichertechnik verbunden mit Energy Trading

Tesvolt verbindet Speichertechnik mit Energy Trading

Das Unternehmen verfolgt einen integrierten Ansatz. Neben Batteriespeichern gehören Wechselrichter, Batteriemanagementsysteme, Cloud-Anbindung und digitale Dienstleistungen zum Gesamtkonzept. Ziel ist es, Speichersysteme für unterschiedlichste Marktsegmente bereitzustellen – vom kleinen Gewerbebetrieb über Industrieunternehmen bis hin zu Großprojekten im Utility-Maßstab. Ein Schwerpunkt liegt auf der sogenannten Cross-Market-Strategie. Dabei werden verschiedene Erlösmodelle miteinander kombiniert. Neben der klassischen Flexibilitätsvermarktung können Batteriespeicher gleichzeitig Leistungen für den Regelenergiemarkt bereitstellen. Nach Angaben von Tesvolt ist dieser kombinierte Ansatz bereits ab einer Leistung von 50 Kilowatt möglich. Um auch kleinere Anlagen einzubinden, werden zahlreiche dezentrale Speicher zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen. Dadurch erhalten Betreiber Zugang zu Märkten, die bislang überwiegend größeren Anlagen vorbehalten waren.

Taytan Batteriespeicher für kleine Gewerbebetriebe

Taytan richtet sich an kleine Gewerbebetriebe

Für kleinere Unternehmen präsentiert Tesvolt den Batteriespeicher Taytan. Das modulare System deckt Leistungsbereiche von etwa 8,5 bis 50 Kilowatt ab und erreicht als stapelbare Lösung Speicherkapazitäten von bis zu 62,5 Kilowattstunden. Der Speicher wurde insbesondere für klassische Gewerbeanwendungen entwickelt. Dazu zählen Eigenverbrauchsoptimierung, dynamische Stromtarife, Lastspitzenkappung sowie sogenannte Multi-Use-Anwendungen, bei denen mehrere Funktionen gleichzeitig genutzt werden. Zu den wichtigsten Einsatzmöglichkeiten gehören:

  • Eigenverbrauchsoptimierung von Photovoltaikanlagen
  • Lastspitzenkappung zur Senkung von Leistungskosten
  • Nutzung dynamischer Stromtarife
  • Mehrfachnutzung des Speichers für verschiedene Anwendungen
  • Indoor-Einsatz im kleinen Gewerbebereich
Durch die modulare Bauweise lässt sich das System an unterschiedliche Anforderungen anpassen und später erweitern.

Forton optimiert Batteriespeicher für häufige Ladezyklen

Forton optimiert Batteriespeicher für häufige Ladezyklen

Im mittleren Leistungssegment positioniert Tesvolt den Speicher Forton. Dieses System wurde gezielt für Anwendungen entwickelt, bei denen Batterien mehrfach täglich be- und entladen werden. Genau diese hohe Zyklenzahl spielt beim Energy Trading eine entscheidende Rolle. Mit einer Garantie von 15.000 Ladezyklen eignet sich Forton für Betriebsstrategien, bei denen Strom zu günstigen Zeiten gespeichert und bei höheren Marktpreisen wieder abgegeben wird. Das System ist mit unterschiedlichen Wechselrichtervarianten verfügbar und lässt sich dadurch sowohl in neue Anlagen als auch in bestehende Photovoltaiksysteme integrieren. Gerade für Unternehmen mit größerem Stromverbrauch eröffnet diese Betriebsweise zusätzliche wirtschaftliche Möglichkeiten. Batteriespeicher werden damit nicht mehr ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet, sondern zunehmend als aktiver Bestandteil der Energiebeschaffung.

Batteriespeicher Energy Trading und Cybersecurity
Tesvolt Neuheiten auf der ees Europe

Containerlösungen bedienen Industrie und Utility-Projekte

Für größere Anwendungen umfasst das Portfolio auch Containerlösungen mit Speicherkapazitäten von rund fünf Megawattstunden. Diese Systeme richten sich an Industrieunternehmen, Netzbetreiber und Energieversorger. Mehrere Container können miteinander kombiniert werden, wodurch sich Speicherkapazitäten flexibel erweitern lassen. Ergänzend bietet Tesvolt auf Wunsch auch EPC-Dienstleistungen an, also Leistungen von der Planung bis zur schlüsselfertigen Umsetzung eines Projekts. Mit dieser Skalierbarkeit reagiert das Unternehmen auf den steigenden Bedarf großer Batteriespeicher, die erneuerbare Energien besser in das Stromnetz integrieren und Netzschwankungen ausgleichen sollen.

Containerlösungen bedienen Industrie und Utility Projekte

Digitalisierung und Cybersecurity werden zum Wettbewerbsfaktor

Neben der eigentlichen Speichertechnik gewinnen digitale Dienste zunehmend an Bedeutung. Sämtliche Systeme sind cloudfähig und ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung sowie die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle. Ein besonderes Augenmerk richtet Tesvolt auf die Datensicherheit. Da Batteriespeicher immer stärker vernetzt werden und sensible Betriebsdaten in Cloud-Systemen verarbeitet werden, steigt gleichzeitig die Bedeutung von Cybersecurity. Ziel ist es, Betreiber vor unberechtigten Zugriffen und Datendiebstahl zu schützen. Parallel dazu verändern intelligente Betriebsstrategien den wirtschaftlichen Nutzen von Speichern grundlegend. Nach Einschätzung des Unternehmens werden Batteriespeicher künftig zunehmend zur standardisierten Hardware. Wettbewerbsvorteile entstehen vor allem durch intelligente Software, automatisierte Betriebsführung und die optimale Vermarktung der verfügbaren Speicherkapazität. Damit verschiebt sich der Fokus der Branche deutlich. Nicht allein die Größe eines Batteriespeichers entscheidet künftig über dessen Wirtschaftlichkeit, sondern die Fähigkeit, Energieflüsse intelligent zu steuern, verschiedene Erlösquellen miteinander zu kombinieren und gleichzeitig höchste Anforderungen an Datensicherheit zu erfüllen.

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