Pakete zu öffnen klingt nach einer einfachen Tätigkeit. In großen Logistikzentren, im Versandhandel oder in der industriellen Warenverarbeitung wird daraus jedoch schnell ein kritischer Prozess.
Wo täglich Tausende Kartons ankommen, kosten manuelle Schnitte Zeit, Personal und Aufmerksamkeit. Zugleich steigt das Risiko, Ware zu beschädigen oder Mitarbeiter durch Messer und Klingen zu gefährden. Genau an dieser Stelle setzen automatische Paketöffner an. Sie übernehmen einen Arbeitsschritt, der lange als kaum automatisierbar galt, weil Kartons unterschiedlich groß, unterschiedlich stark gefüllt und je nach Branche völlig anders zu behandeln sind. ALS, kurz für Automatic Logistic Solutions, entwickelt dafür Maschinen, die Kartons kontrolliert, schnell und mit unterschiedlichen Schnittbildern öffnen können.
Das Unternehmen hat seine Technik innerhalb weniger Jahre stark ausgebaut. Aus einem ersten System entstand ein Baukasten mit fünf Systemlinien und rund 40 Modellen. Ziel ist es, für unterschiedliche Paketaufkommen, Schnittarten und Branchenanforderungen jeweils eine passende Lösung bereitzustellen. Im Mittelpunkt steht das Box Opening System, kurz BOS. Die Maschine kann mehrere Schnittarten ausführen und lässt sich je nach Anwendung mit unterschiedlichen Messerköpfen und Klingen ausstatten. Dadurch wird nicht einfach ein Karton aufgeschnitten, sondern gezielt entschieden, wie tief, wo und in welcher Form die Öffnung erfolgen soll. Der Hersteller spricht auf der LogiMAT von möglichen Kostenersparnissen zwischen 70 und 90 Prozent. Der Grund liegt vor allem in der Geschwindigkeit: Automatische Systeme können Paketöffnungen fünf- bis achtmal schneller ausführen als manuelle Prozesse.
Nicht jeder Karton soll vollständig geöffnet werden. In vielen Prozessen ist es wichtig, dass Etiketten am Karton bleiben, Ware nicht herausfällt oder ein Behälter im weiteren Ablauf noch transportfähig bleibt. Deshalb bietet das BOS unterschiedliche Schnittvarianten. Ein Beispiel ist der Scharnierschnitt. Dabei bleibt eine Seite des Kartons geschlossen, sodass sich der Deckel wie eine Klappe öffnen und wieder schließen lässt. Das ist etwa bei Retouren sinnvoll, wenn Versandaufkleber oder Informationen auf dem Karton bis zur Kontrolle der Ware erhalten bleiben müssen.
Zu den typischen Anforderungen gehören:
Ein besonders anschauliches Verfahren ist der Fensterschnitt. Dabei wird nur ein Teil der Kartonoberfläche geöffnet oder perforiert. Die Ware bleibt während des Transports im Betrieb geschützt, kann aber später gezielt entnommen werden. Für Versandhändler ist das besonders relevant, wenn Artikel direkt aus dem Karton gepickt werden. Bei sehr vollen Kartons kommt ein rollendes Messer zum Einsatz. Anders als eine ziehende Klinge drückt es empfindliche Ware eher weg, statt sie aufzuschlitzen. Das reduziert das Risiko, Textilien, Folienverpackungen oder andere Produkte beim Öffnen zu beschädigen. Je nach Eindringtiefe kann die Maschine schneiden oder lediglich perforieren. Gerade dieser Unterschied ist in der Praxis entscheidend. Ein manuell geführtes Messer kann schnell zu tief angesetzt werden. In automatisierten Anlagen wird der Schnitt dagegen kontrolliert und reproduzierbar ausgeführt.
Die Systeme von ALS richten sich nicht an Betriebe mit wenigen Paketen pro Tag. Interessant werden sie überall dort, wo große Mengen an Kartons regelmäßig geöffnet, entleert oder umgepackt werden. Dazu gehören E-Commerce, Fulfillment, Großhandel, Industrie, Pharma, Textilwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
Ein Beispiel aus dem Gespräch zeigt die Dimension: Ein Lebensmittelhersteller muss täglich Millionen leerer Joghurtbecher aus Kartons entnehmen, bevor diese in Befüllungsmaschinen gelangen. Solche Mengen lassen sich mit Handmessern kaum wirtschaftlich und sicher bewältigen. Auch im Retourengeschäft spielt die Technik eine wichtige Rolle. Dort müssen Pakete schnell geöffnet werden, ohne die Ware oder wichtige Begleitinformationen zu beschädigen. Je sauberer dieser Prozess abläuft, desto schneller können Artikel geprüft, wieder eingelagert oder weiterverarbeitet werden.
Bisher konzentriert sich ALS vor allem auf Wellpappe. Die Entwicklung soll jedoch weitergehen. Künftig sollen auch andere Verpackungsmaterialien bearbeitet werden können. Damit erweitert sich das Einsatzfeld über klassische Kartons hinaus. Der Bedarf ist offensichtlich. Verpackungsströme nehmen durch Onlinehandel, globale Lieferketten und zentrale Fulfillment-Strukturen weiter zu. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Effizienz, Arbeitssicherheit und Produktschonung. Automatische Paketöffner lösen dabei kein Randproblem, sondern einen häufig unterschätzten Engpass im Warenfluss. Aus einer alltäglichen Handbewegung wird so ein industrieller Prozess: kontrolliert, wiederholbar und auf die jeweilige Ware abgestimmt.