Ein Aquarium in einer Trommel, ein Nachtkästchen aus einem Schlagzeugkessel, eine Bratsche als Leuchte: Was zunächst wie eine skurrile Idee wirkt, folgt bei Ausgespielt einem klaren gestalterischen Prinzip.
Ausgediente Musikinstrumente werden nicht entsorgt oder als Dekoration an die Wand gehängt, sondern in Möbelstücke und Wohnobjekte verwandelt. Auf der Heim und Handwerk in München zeigt das junge Unternehmen, wie stark sich Erinnerung, Handwerk und Inneneinrichtung verbinden lassen. Der Ansatz beginnt bei einem einfachen Gedanken: Viele Instrumente verlieren irgendwann ihre ursprüngliche Funktion. Sie stehen im Keller, hängen ungenutzt an der Wand oder werden durch neue Modelle ersetzt. Für Musiker sind sie dennoch selten bloße Gegenstände. An ihnen hängen Jahre des Übens, Auftritte, persönliche Geschichten oder erste musikalische Versuche. Genau aus diesem Spannungsfeld entstehen die Möbelstücke von Ausgespielt. Der Gründer kommt selbst aus der Musik. Die Idee entwickelte sich während einer Ausbildung im Bereich Möbelbau und Innenraumgestaltung. Für ein Schulprojekt sollte ein Ladenkonzept entworfen werden. Aus dem Musikgeschäft als Thema wurde im eigenen Keller der erste konkrete Versuch: eine Trommel, die nicht mehr als Instrument genutzt wurde, bekam eine neue Aufgabe.
Besonders auffällig ist eine transparente Trommel, die zu einem Aquarium umgebaut wurde. Die Form bleibt erkennbar, die Funktion verändert sich vollständig. Gerade dadurch entsteht der Reiz: Der ursprüngliche Gegenstand verschwindet nicht, sondern bekommt eine zweite Ebene.
Aus Trommeln entstehen bei Ausgespielt auch Nachtkästchen oder Beistelltische. In einzelne Kessel werden Schubladen eingesetzt, teilweise so dezent, dass sie von der Seite kaum sofort erkennbar sind. Ein rotes Modell gehört zu den frühen Arbeiten des Gründers und hat eine besondere persönliche Bedeutung: Mit dieser Trommel lernte er selbst das Schlagzeugspielen. Der Preis für ein solches Nachtkästchen liegt laut Gespräch bei etwa 650 Euro. Damit bewegen sich die Stücke nicht im Bereich industrieller Massenware, sondern eher im Segment individueller Möbelobjekte mit sichtbarer handwerklicher Herkunft.
Nicht nur ganze Instrumente finden eine neue Verwendung. Auch Zubehörteile werden verarbeitet. Aus gebrauchten Drumsticks entstehen kleine Tische oder Beistellmöbel. Für Schlagzeuger ist das naheliegend: Sticks sammeln sich über Jahre an, brechen, werden ausgetauscht oder bleiben als Erinnerungsstücke liegen. In einem Möbelstück bekommen sie eine geordnete, sichtbare Form. Ein weiteres Beispiel ist ein Tisch aus Beckenständern. Vier Stative tragen eine Glasplatte und ergeben zusammen einen Schreibtisch, Bürotisch oder Empfangstisch. Die Konstruktion nutzt die technische Ästhetik des Schlagzeugs, ohne daraus eine reine Musikzimmerdekoration zu machen. Der genannte Preis liegt bei rund 1.200 Euro.
Typische Arbeiten aus dem Sortiment sind:
Ein besonders wohnliches Beispiel ist eine Bratsche, die frei im Raum hängt und als Leuchte dient. Sie kann über einem Essplatz ebenso funktionieren wie in einer modernen oder klassisch eingerichteten Wohnung. Das Instrument wird dadurch nicht zum musealen Erinnerungsstück, sondern Teil des Alltags.
Auch Gitarren werden umgearbeitet. Aus einem alten Instrument kann ein Möbelstück für den Eingangsbereich entstehen, etwa zur Aufbewahrung von Schlüsseln oder kleineren Gegenständen. Gerade bei persönlichen Instrumenten liegt darin ein nachvollziehbarer Gedanke: Eine Gitarre, auf der jemand zwanzig Jahre gespielt hat, muss nicht weggeworfen werden, wenn sie musikalisch ausgedient hat.
Bei solchen Einzelstücken spielt der persönliche Kontakt eine große Rolle. Ausgespielt versteht die Möbel nicht als Ware von der Stange. Zwar lassen sich manche Grundformen wiederholen, etwa eine Trommel mit zwei Schubladen. Individuelle Umbauten brauchen jedoch Abstimmung, weil Instrument, Nutzung und Wohnraum zusammenpassen müssen.
Der Vertrieb soll deshalb nicht über große Möbelhäuser laufen. Dafür sind die Stücke zu individuell, die Entstehung zu eng mit dem jeweiligen Instrument verbunden. Messen, Ausstellungen und kleine Schauräume passen besser zum Konzept, weil Interessenten die Objekte sehen, anfassen und die Geschichte dahinter verstehen können.
Für ein Start-up ist dieser Weg mühsam. Die Finanzierung erfolgt weitgehend selbst, Förderungen spielen nur punktuell eine Rolle, etwa bei ersten Auftritten im Ausland. Sichtbarkeit entsteht vor allem durch Präsenz auf Veranstaltungen und durch Möbelstücke, die sofort Gesprächsstoff liefern.
Genau darin liegt die Stärke des Konzepts. Ausgespielt produziert keine neutralen Designmöbel, sondern Objekte mit Herkunft. Eine Trommel bleibt als Trommel erkennbar, auch wenn sie plötzlich Schubladen besitzt. Eine Bratsche verliert nicht ihre Form, nur weil sie Licht spendet. Alte Instrumente bekommen so nicht einfach eine dekorative zweite Karriere, sondern eine neue Funktion im Wohnraum.