Musikinstrumente als Möbel mit neuer Funktion

von Jürgen Groh - 2024-02-14

Ein Aquarium in einer Trommel, ein Nachtkästchen aus einem Schlagzeugkessel, eine Bratsche als Leuchte: Was zunächst wie eine skurrile Idee wirkt, folgt bei Ausgespielt einem klaren gestalterischen Prinzip.

Ausgediente Musikinstrumente werden nicht entsorgt oder als Dekoration an die Wand gehängt, sondern in Möbelstücke und Wohnobjekte verwandelt. Auf der Heim und Handwerk in München zeigt das junge Unternehmen, wie stark sich Erinnerung, Handwerk und Inneneinrichtung verbinden lassen. Der Ansatz beginnt bei einem einfachen Gedanken: Viele Instrumente verlieren irgendwann ihre ursprüngliche Funktion. Sie stehen im Keller, hängen ungenutzt an der Wand oder werden durch neue Modelle ersetzt. Für Musiker sind sie dennoch selten bloße Gegenstände. An ihnen hängen Jahre des Übens, Auftritte, persönliche Geschichten oder erste musikalische Versuche. Genau aus diesem Spannungsfeld entstehen die Möbelstücke von Ausgespielt. Der Gründer kommt selbst aus der Musik. Die Idee entwickelte sich während einer Ausbildung im Bereich Möbelbau und Innenraumgestaltung. Für ein Schulprojekt sollte ein Ladenkonzept entworfen werden. Aus dem Musikgeschäft als Thema wurde im eigenen Keller der erste konkrete Versuch: eine Trommel, die nicht mehr als Instrument genutzt wurde, bekam eine neue Aufgabe.

Möbel aus alten Instrumenten Ausgespielt
Anzeige

Ausgespielt verwandelt Trommeln in Nachtkästchen und Aquarien

Besonders auffällig ist eine transparente Trommel, die zu einem Aquarium umgebaut wurde. Die Form bleibt erkennbar, die Funktion verändert sich vollständig. Gerade dadurch entsteht der Reiz: Der ursprüngliche Gegenstand verschwindet nicht, sondern bekommt eine zweite Ebene.

MesseTV Interview Samuel Karl Gruender Ausgespielt
Trommel zur Kommode umgebaut Ausgespielt

Aus Trommeln entstehen bei Ausgespielt auch Nachtkästchen oder Beistelltische. In einzelne Kessel werden Schubladen eingesetzt, teilweise so dezent, dass sie von der Seite kaum sofort erkennbar sind. Ein rotes Modell gehört zu den frühen Arbeiten des Gründers und hat eine besondere persönliche Bedeutung: Mit dieser Trommel lernte er selbst das Schlagzeugspielen. Der Preis für ein solches Nachtkästchen liegt laut Gespräch bei etwa 650 Euro. Damit bewegen sich die Stücke nicht im Bereich industrieller Massenware, sondern eher im Segment individueller Möbelobjekte mit sichtbarer handwerklicher Herkunft.

Anzeige
Kommode mit Schublade aus alter Schlagzeugtrommel Ausgespielt

Möbel aus Drumsticks, Beckenständern und Glasplatten

Nicht nur ganze Instrumente finden eine neue Verwendung. Auch Zubehörteile werden verarbeitet. Aus gebrauchten Drumsticks entstehen kleine Tische oder Beistellmöbel. Für Schlagzeuger ist das naheliegend: Sticks sammeln sich über Jahre an, brechen, werden ausgetauscht oder bleiben als Erinnerungsstücke liegen. In einem Möbelstück bekommen sie eine geordnete, sichtbare Form. Ein weiteres Beispiel ist ein Tisch aus Beckenständern. Vier Stative tragen eine Glasplatte und ergeben zusammen einen Schreibtisch, Bürotisch oder Empfangstisch. Die Konstruktion nutzt die technische Ästhetik des Schlagzeugs, ohne daraus eine reine Musikzimmerdekoration zu machen. Der genannte Preis liegt bei rund 1.200 Euro.

Kommode aus alter Trommel Ausgespielt
Möbel aus alten Instrumenten Ausgespielt Heim Handwerk

Typische Arbeiten aus dem Sortiment sind:

  • Trommeln als Nachtkästchen, Beistelltische oder Aquarien
  • Drumsticks als Gestaltungselemente für kleine Tische
  • Beckenständer als Untergestell für Glasplatten
  • Bratschen und andere Saiteninstrumente als Leuchten
  • Gitarren als Schlüsselablage oder Stauraummöbel
Entscheidend ist dabei die Nähe zum Ausgangsmaterial. Die Objekte sollen nicht so weit umgebaut werden, dass ihre Herkunft unkenntlich wird. Ein Tisch darf weiterhin nach Schlagzeug aussehen, eine Lampe darf als Bratsche lesbar bleiben.

Bratsche als Leuchte und Gitarre für den Eingangsbereich

Ein besonders wohnliches Beispiel ist eine Bratsche, die frei im Raum hängt und als Leuchte dient. Sie kann über einem Essplatz ebenso funktionieren wie in einer modernen oder klassisch eingerichteten Wohnung. Das Instrument wird dadurch nicht zum musealen Erinnerungsstück, sondern Teil des Alltags.

Wandregal aus alter Gitarre Ausgespielt
Wandregal aus alter Snare Drum Ausgespielt

Auch Gitarren werden umgearbeitet. Aus einem alten Instrument kann ein Möbelstück für den Eingangsbereich entstehen, etwa zur Aufbewahrung von Schlüsseln oder kleineren Gegenständen. Gerade bei persönlichen Instrumenten liegt darin ein nachvollziehbarer Gedanke: Eine Gitarre, auf der jemand zwanzig Jahre gespielt hat, muss nicht weggeworfen werden, wenn sie musikalisch ausgedient hat.

Anzeige
Wandregal mit Schublade aus alter Snare Drum

Bei solchen Einzelstücken spielt der persönliche Kontakt eine große Rolle. Ausgespielt versteht die Möbel nicht als Ware von der Stange. Zwar lassen sich manche Grundformen wiederholen, etwa eine Trommel mit zwei Schubladen. Individuelle Umbauten brauchen jedoch Abstimmung, weil Instrument, Nutzung und Wohnraum zusammenpassen müssen.

Deckenlampe Bratsche aus altem Instrument Ausgespielt

Einzelstücke statt Möbelhaus-Konzept

Der Vertrieb soll deshalb nicht über große Möbelhäuser laufen. Dafür sind die Stücke zu individuell, die Entstehung zu eng mit dem jeweiligen Instrument verbunden. Messen, Ausstellungen und kleine Schauräume passen besser zum Konzept, weil Interessenten die Objekte sehen, anfassen und die Geschichte dahinter verstehen können.

MesseTV Beitrag Ausgespielt Heim Handwerk 2016 Messe Muenchen
Anzeige

Für ein Start-up ist dieser Weg mühsam. Die Finanzierung erfolgt weitgehend selbst, Förderungen spielen nur punktuell eine Rolle, etwa bei ersten Auftritten im Ausland. Sichtbarkeit entsteht vor allem durch Präsenz auf Veranstaltungen und durch Möbelstücke, die sofort Gesprächsstoff liefern.

Beistell Glastisch aus Schlagzeugsticks Ausgespielt
Glastisch aus alten Schlagzeugstaendern Ausgespielt

Genau darin liegt die Stärke des Konzepts. Ausgespielt produziert keine neutralen Designmöbel, sondern Objekte mit Herkunft. Eine Trommel bleibt als Trommel erkennbar, auch wenn sie plötzlich Schubladen besitzt. Eine Bratsche verliert nicht ihre Form, nur weil sie Licht spendet. Alte Instrumente bekommen so nicht einfach eine dekorative zweite Karriere, sondern eine neue Funktion im Wohnraum.