Massive Holztische aus einem einzigen Stamm gehören zu den spektakulärsten Objekten moderner Möbelgestaltung. Sie verbinden Naturgeschichte, handwerkliche Präzision und technische Verarbeitung in einem einzelnen Möbelstück.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel zeigt ein Tischunikat aus Österreich, das aus einer rund 350 Jahre alten Eiche gefertigt wurde. Der fertige Tisch erreicht eine Länge von 6,70 Metern und gehört damit zu den außergewöhnlich großen Massivholztischen, die derzeit in Europa verarbeitet werden. Gefertigt wurde das Möbelstück von Dreikant, einem Unternehmen, das sich auf Tischunikate aus heimischem Holz spezialisiert hat. Dabei geht es nicht nur um die Größe der Platte, sondern auch um die Herkunft des Materials und die Geschichte des Baumes, aus dem der Tisch entstanden ist.
Der Ursprung dieses außergewöhnlichen Tisches liegt in der Steiermark. Dort wuchs über mehrere Jahrhunderte hinweg eine Eiche, die schließlich einen Stammdurchmesser von etwa 2,5 Metern erreichte und rund 28 Tonnen wog. Damit zählt sie zu den größten Bäumen, die Dreikant jemals verarbeitet hat. Der Baum war etwa 350 Jahre alt und wurde über lange Zeit gepflegt. Erst ein Sturm Ende des Jahres 2019 brachte die Eiche zu Fall. Über Kontakte erfuhr Dreikant von dem umgestürzten Baum und organisierte gemeinsam mit Partnern die weitere Verarbeitung des Stammes. Aus einem solchen Baum entsteht nicht sofort ein Tisch. Zunächst muss der Stamm fachgerecht aufgeschnitten werden, damit einzelne Holzplatten entstehen, aus denen später Möbel gefertigt werden können.
Nach dem Aufschneiden beginnt ein entscheidender Schritt in der Holzverarbeitung: die Trocknung. Massive Holzplatten können nicht direkt verarbeitet werden, da sie sonst später reißen oder sich verziehen würden. Die Platten werden zunächst mehrere Jahre luftgetrocknet. Je nach Stärke des Holzes kann dieser Prozess zwischen drei und sechs Jahren dauern. Erst danach folgt eine zusätzliche technische Trocknung in einer speziellen Trockenkammer, die mehrere Monate in Anspruch nimmt. Bei dem Tisch aus der steirischen Eiche dauerte es insgesamt rund sechs Jahre, bis das Holz bereit für die Weiterverarbeitung war. Erst danach konnte mit der eigentlichen Fertigung begonnen werden. Der Ablauf der Holzvorbereitung umfasst mehrere Schritte:
Bei Holzplatten dieser Größe sind klassische Holzbearbeitungsmethoden nicht ausreichend. Während kleinere Bretter gehobelt werden können, müssen große Massivplatten anders behandelt werden. Dreikant setzt dafür auf eine CNC Fräse. Mit dieser Maschine wird die gesamte Oberfläche zunächst plan gefräst, um eine exakt ebene Platte zu erhalten. Dieser Schritt ersetzt bei solchen Dimensionen das klassische Hobeln. Nach dem Fräsen folgen weitere Bearbeitungsschritte. Dazu gehört das Füllen von natürlichen Rissen oder Hohlräumen mit Epoxidharz. Anschließend wird die Oberfläche je nach gewünschtem Ergebnis geschliffen oder gebürstet. Beim gezeigten Tisch wurde die Platte zunächst plan gefräst, danach gebürstet und anschließend lackiert. Epoxidharz wurde eingesetzt, um natürliche Strukturen im Holz zu stabilisieren und gleichzeitig sichtbar zu erhalten.
Nicht jeder Baum liefert die gleiche Holzstruktur. Manche Stämme wachsen sehr gerade und enthalten nur wenige Aststellen. Andere Bäume entwickeln im Laufe ihres Wachstums zahlreiche Äste, Verzweigungen oder unregelmäßige Formen. Diese Unterschiede bestimmen später das Erscheinungsbild eines Tisches. Rustikale Platten zeigen häufig viele Äste, Risse oder unregelmäßige Strukturen. Bei schlichteren Bäumen ist das Holz ruhiger und gleichmäßiger. Dreikant arbeitet bewusst mit beiden Varianten. Je nach Projekt werden entweder stark strukturierte oder besonders ruhige Holzplatten ausgewählt. Verarbeitet werden vor allem heimische Holzarten aus Mitteleuropa. Dazu gehören:
Neben der Holzverarbeitung spielt auch die Technik eine immer größere Rolle bei modernen Massivholztischen. Dreikant hat dafür ein eigenes System entwickelt, das ursprünglich für höhenverstellbare Schreibtische gedacht war. Dieses System wird inzwischen auch bei großen Tischen eingesetzt. Der gezeigte Eichentisch steht auf drei höhenverstellbaren Füßen, die sich elektronisch steuern lassen. Die Bedienung erfolgt entweder über eine Smartphone App oder über ein integriertes Steuerfeld am Tisch. Mehrere Höhen lassen sich speichern und jederzeit wieder abrufen. Ein kurzer Tastendruck genügt, um den Tisch automatisch auf eine gespeicherte Position zu bewegen.
Massivholztische können auf unterschiedliche Weise konstruiert werden. Dreikant unterscheidet grundsätzlich drei Bauarten. Die erste Variante besteht aus verleimten Holzplatten. Dabei werden mehrere Stücke miteinander verbunden. Solche Tische liegen preislich meist zwischen etwa 3.000 und 5.000 Euro. Eine zweite Variante sind sogenannte gespiegelte Platten. Hier stammen zwei Holzstücke aus demselben Stamm und werden spiegelbildlich zusammengesetzt. Diese Bauart ermöglicht größere Tischbreiten und bewegt sich meist zwischen etwa 6.000 und 9.000 Euro. Die exklusivste Variante entsteht aus einer einzigen Holzplatte aus einem Stamm. Solche Einzelstücke beginnen in der Regel bei etwa 10.000 Euro und können bei besonders großen Exemplaren deutlich darüber liegen. Der 6,70 Meter lange Eichentisch aus der Steiermark gehört zu dieser Kategorie. Aus einem jahrhundertealten Baum ist ein Möbelstück entstanden, das nicht nur durch seine Größe beeindruckt, sondern auch durch die Verbindung von Naturgeschichte und moderner Holzverarbeitung.