Moderne Nutz- und Sonderfahrzeuge sind längst mehr als mechanische Arbeitsgeräte. Hinter vielen Funktionen arbeiten heute komplexe Steuerungssysteme, die Fahrzeugtechnik, Sensorik, Software und Vernetzung miteinander verbinden.
Besonders bei Spezialfahrzeugen steigen die Anforderungen kontinuierlich. Betreiber erwarten eine einfache Bedienung, umfassende Diagnosemöglichkeiten, geringe Ausfallzeiten und die Möglichkeit, Systeme über viele Jahre hinweg weiterzuentwickeln. Auf der Embedded World in Nürnberg zeigte Schleissheimer, wie sich solche Anforderungen in der Praxis umsetzen lassen. Das Unternehmen entwickelt Hard- und Softwarelösungen für die Automobilindustrie und konzentriert sich dabei zunehmend auf Arbeitsmaschinen und Sonderfahrzeuge, deren technische Anforderungen oft deutlich komplexer sind als bei klassischen Pkw-Anwendungen.
Im Mittelpunkt der Präsentation stand die Steuerung eines Kanalreinigungsfahrzeugs. Die gezeigte Anwendung simulierte ein komplettes Fahrzeug einschließlich aller relevanten Komponenten. Über zentrale Bedienoberflächen lassen sich nicht nur Funktionen des Fahrgestells steuern, sondern auch sämtliche Zusatzsysteme des Aufbaus. Dazu gehören unter anderem Pumpen, Vakuumpumpen, Drucksysteme und Anlagen zur Abwasseraufbereitung. Der Bediener erhält Zugriff auf alle wesentlichen Funktionen über eine zentrale Benutzeroberfläche. Gleichzeitig werden Informationen kontextbezogen dargestellt, sodass der Nutzer durch die einzelnen Arbeitsschritte geführt wird. Die Steuerung übernimmt dabei weit mehr als das Ein- und Ausschalten einzelner Funktionen. Sie ermöglicht beispielsweise die Anpassung von Betriebsparametern, die Steuerung des Nebenantriebs sowie die Überwachung verschiedener Prozessabläufe während des Einsatzes.
Eine besondere Herausforderung bei Sonderfahrzeugen besteht darin, dass verschiedene technische Welten miteinander verbunden werden müssen. Das Fahrgestell stammt häufig von Herstellern wie Daimler, Volvo oder DAF. Hinzu kommen jedoch komplexe Aufbauten mit eigener Steuerungstechnik und speziellen Arbeitsprozessen. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Entwicklungsarbeit an. Die Daten des Basisfahrzeugs werden integriert und mit den Steuerungen des Aufbaus verknüpft. Dadurch entsteht ein Gesamtsystem, das sämtliche Komponenten koordiniert und zentral bedienbar macht. Für Hersteller von Spezialfahrzeugen bietet dieser Ansatz erhebliche Vorteile. Funktionen können an unterschiedliche Varianten angepasst werden, ohne dass für jede Fahrzeugversion eine komplett neue Software entwickelt werden muss. Gleichzeitig entstehen Möglichkeiten für zusätzliche Ausstattungsoptionen, die später als Erweiterungen angeboten werden können.
Ein wichtiger Bestandteil der Lösung ist die integrierte Diagnosefunktion. Fehler und Fehlbedienungen werden nicht nur registriert, sondern mit zusätzlichen Informationen dokumentiert. Dadurch lassen sich spätere Servicefälle deutlich präziser analysieren. Die Systeme zeichnen relevante Ereignisse bereits vor und nach einem Fehler auf. Dadurch entsteht ein umfassender Überblick über die Umstände, unter denen eine Störung aufgetreten ist. Servicetechniker können nachvollziehen, ob ein technischer Defekt vorliegt oder ob eine fehlerhafte Bedienung die Ursache war.
Zu den wichtigsten Funktionen gehören:
Neben der eigentlichen Fahrzeugsteuerung spielt die Vernetzung eine zunehmend wichtige Rolle. Moderne Arbeitsmaschinen sind heute kontinuierlich mit Backend-Systemen verbunden. Auftragsdaten, Betriebsinformationen und Diagnosedaten werden zwischen Fahrzeug und Hersteller ausgetauscht. Dadurch lassen sich Software-Updates aus der Ferne durchführen, ohne dass ein Werkstattbesuch erforderlich wird. Gleichzeitig können Betreiber frühzeitig erkennen, wann Wartungsarbeiten notwendig werden. Dieser Ansatz wird häufig als vorbeugende Instandhaltung bezeichnet. Die kontinuierliche Überwachung hilft dabei, ungeplante Ausfälle zu vermeiden. Statt auf einen Defekt zu reagieren, können Maßnahmen bereits eingeleitet werden, bevor eine Störung den Betrieb beeinträchtigt. Besonders bei Spezialfahrzeugen mit hohen Einsatzkosten ist dies ein wirtschaftlich wichtiger Faktor.
Die zunehmende Vernetzung eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für die Optimierung von Arbeitsprozessen. Fahrzeugdaten werden nicht mehr ausschließlich lokal ausgewertet. Ein Teil der Analyse erfolgt über Cloud-Dienste, die große Datenmengen verarbeiten können. Dadurch lassen sich optimale Betriebsparameter ermitteln, die beispielsweise den Kraftstoffverbrauch reduzieren oder die Nutzung einzelner Komponenten verbessern. Selbst kleine Einsparungen können bei Fahrzeugflotten erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. Die Verantwortlichen sehen deshalb großes Potenzial in intelligenten Cloud-Services. Künftig sollen Systeme noch stärker miteinander vernetzt werden und zusätzliche Funktionen erhalten. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge kontinuierlich zu steigern und gleichzeitig Betriebskosten zu senken. Die Entwicklung zeigt, wie stark sich Arbeitsmaschinen in den vergangenen Jahren verändert haben. Aus klassischen Nutzfahrzeugen werden zunehmend digitale Plattformen, die Mechanik, Elektronik, Software und Cloud-Technologien miteinander verbinden. Für Hersteller und Betreiber entsteht dadurch die Möglichkeit, Fahrzeuge nicht nur effizienter zu betreiben, sondern sie über den gesamten Lebenszyklus hinweg kontinuierlich weiterzuentwickeln.