Auf der Embedded World in Nürnberg zeigte Data Modul, wie breit das Thema Displaytechnik inzwischen gefasst wird.
Es geht längst nicht mehr allein um Bildschirme, Helligkeit oder Auflösung. Entscheidend ist zunehmend das Zusammenspiel aus Panel, Schutzglas, Touchsensorik, Recheneinheit und Software. Gerade in der Industrie müssen solche Systeme nicht nur gut lesbar sein, sondern auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Das Unternehmen präsentierte dafür mehrere Entwicklungen: ein transparentes OLED-Panel, widerstandsfähige Touchlösungen für Industrieanwendungen und eigene Rechnermodule für hohe Grafikleistung. Damit verbindet Data Modul klassische Display Solutions mit der Rechenleistung im Hintergrund – von Low Power bis High Performance.
Ein auffälliges Exponat war ein transparentes 55 Zoll Full HD-Panel auf Basis der OLED-Technologie. Die Besonderheit liegt darin, dass selbst schwarze Inhalte transparent dargestellt werden. Dadurch entsteht ein Bildschirm, der Informationen anzeigen kann, ohne den Blick auf dahinterliegende Objekte vollständig zu verdecken. Solche Displays stammen ursprünglich aus der Consumer-Elektronik, finden aber zunehmend Interesse in industriellen Anwendungen. Denkbar sind Einsatzbereiche, in denen Informationen direkt vor oder über einem realen Objekt eingeblendet werden sollen. Für Maschinen, Präsentationssysteme, Verkaufsflächen oder technische Demonstratoren eröffnet ein transparentes Panel neue Möglichkeiten der visuellen Darstellung.
Ein zentrales Verfahren bei industriellen Displays ist das Optical Bonding. Dabei wird ein Schutzglas vollflächig mit dem TFT verbunden. Anders als bei klassischen Konstruktionen mit Klebebändern bleibt keine Luftschicht zwischen Display und Glas. Der Effekt ist technisch und optisch relevant. Durch den Wegfall der Luftschicht werden Reflexionen reduziert, die Bildbrillanz verbessert und die Einheit mechanisch stabiler. Gerade bei Außenanwendungen oder raueren Umgebungen ist dieser Aufbau wichtig, weil das Display besser gegen Einflüsse von außen geschützt wird. Data Modul nutzt dieses Verfahren, um Displays robuster und besser lesbar zu machen. In der Praxis bedeutet das: Der Anwender sieht mehr, obwohl zwischen Display und Umgebung eine zusätzliche Schutzschicht liegt. Genau diese Kombination aus Schutz und optischer Qualität ist für viele industrielle Bedien- und Anzeigesysteme entscheidend.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Touchlösungen für industrielle Anwendungen. Die vorgestellte Eigenentwicklung basiert auf Atmel-Controllern. Data Modul ist Atmel-Modulpartner und kann Kunden bei Projective-Capacitive-Lösungen, kurz PCAP, detailliert unterstützen. Bei dieser Technik breitet sich ein elektrisches Feld durch das Coverglas beziehungsweise Schutzglas aus. Das erlaubt Mehrfingerbedienung, in diesem Fall softwareseitig geregelt bis zu zehn Fingern. Gleichzeitig spielt die Bauform eine Rolle. Die eingesetzten Sito-Sensoren, also Single Sided ITO, ermöglichen besonders schmale Leiterbahnen durch einen Fotolithografieprozess. Dadurch bleibt der Rand des Touchpanels schmal, und das Touch-Panel muss nicht größer sein als das TFT. Für industrielle Umgebungen reicht Mehrfingerbedienung allein jedoch nicht aus. Bediener tragen häufig Handschuhe, etwa an Maschinen oder in Produktionsbereichen. Die gezeigte Lösung kann auch mit herkömmlichen Industriehandschuhen genutzt werden. Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen Consumer-Geräten, die bei Kälte, Handschuhen oder Schutzkleidung schnell an Grenzen stoßen.
Neben der Bedienung mit Handschuhen ist Wasser eine der großen Herausforderungen für PCAP-Systeme. Flüssigkeiten können Fehlauslösungen verursachen oder die Bedienung unzuverlässig machen. Genau hier zeigte die Messepräsentation, wie ein Industrie-Touchdisplay mit einem Wasserfilm umgehen kann. Das System soll Tropfen, Handschuh und Finger voneinander unterscheiden. Wichtig ist dabei nicht nur, dass keine unbeabsichtigten Touchevents ausgelöst werden. Entscheidend ist auch, dass das Display trotz Wasserfilm weiter bedienbar bleibt. In industriellen Anwendungen kann das sicherheitsrelevant sein, etwa wenn Bedienpanels draußen, in feuchten Bereichen oder an Maschinen mit Flüssigkeitskontakt eingesetzt werden.
Hinter modernen Displays steht zunehmend leistungsfähige Elektronik. Data Modul zeigte dafür ein Braswell-Modul auf Basis der Atom-Generation. Es wurde speziell für Low-Power-Anwendungen entwickelt und bietet zugleich hohe Grafikleistung. Damit lassen sich aktuelle Displays bis 4K-Auflösung ansteuern, sogar zwei gleichzeitig. Das Modul wurde nach Angaben des Unternehmens bis ins Detail selbst entwickelt, einschließlich eigenem Bios-Support und eigenem Board Controller. Dadurch lassen sich kundenspezifische Anforderungen präziser umsetzen. Gerade bei Embedded-Systemen ist diese Anpassungsfähigkeit wichtig, weil Display, Recheneinheit und Anwendung oft eng aufeinander abgestimmt werden müssen.
Neben dem Low-Power-Modul wurde ein iCore-Modul auf Basis von Broadwell vorgestellt. Es kann bis hin zu Xeon-CPUs ausgestattet werden und richtet sich an Anwendungen mit hoher Performance. Genannt wurde die Möglichkeit, bis zu drei 4K-Displays gleichzeitig anzusteuern. Damit deckt das Portfolio unterschiedliche Leistungsklassen ab. Auf der einen Seite stehen vernetzte Low-Power-Geräte, Wearables und kompakte IoT-Anwendungen. Auf der anderen Seite wachsen industrielle Displaylösungen in Richtung Servertechnologie, hohe Auflösung und anspruchsvolle Visualisierung.
Die Richtung ist damit klar: Displays werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil vollständiger Systeme. Für Industrie und IoT-Anwendungen zählen künftig nicht nur Panelgröße und Auflösung. Entscheidend wird, wie robust ein Display bedient werden kann, welche Rechenleistung dahintersteht und wie flexibel sich Hardware und Software an konkrete Kundenanforderungen anpassen lassen.